Der Schläfenlappen von Ray Kurzweil

Vorbemerkung: Wieder einmal ärgere ich mich über meine Langsamkeit. Im Feuilleton der Süddeutschen gab es ein Interview mit dem österreichischen Philosophen Paul Liesmann über Selbstoptimierung und die ethischen Fragen, die sich daraus ergeben.

Dabei kam unter anderem die Sprache auf Transhumanisten. Und dieser Philosoph erdreistete sich das auszusprechen, was ich schon länger vermutete. Meine Vermutung war, das Transhumanismus eine Form von Religiösität ist. Liesmann drückte es leicht anders aus. Er bezeichnete die Transhumanisten als säkularisierte Christen. Er verwies auf die Vielzahl christlicher Symbole, mit denen Transhumanisten arbeiten. Ein solches Symbol ist der fehlbare, unvollkommene Körper, über den man sich erheben muss. Ich würde als Symbol das der Seelenwanderung anführen, bei der die Seele den Körper verlässt und in eine neue Welt übertritt. Und diese neue Welt wird als Transzedenz der diesseitigen Welt gesehen.

Der Schläfenlappen spielt, so spekuliert Vilayanur Ramachandran, bei religiös veranlagten Menschen eine besondere Rolle. Es wäre also interessant zu wissen, wie groß dieses Gehirnareal bei Ray Kurzweil ist, einem der prominentesten Transhumanisten.